Wir bauen ein Dorf aus Plastikmüll!

Ein Gastbeitrag von Nadine Sachse von Project Wings

Wir bauen auf Sumartra in Indonesien aus Ecobricks (gestopften PET-Flaschen mit Plastikmüll) Gebäude. Gestützt werden diese von einem Bambusgerüst. Schlussendlich wird alles ummantelt aus einem organischen Lehmgemisch, sodass die Flaschen vor Abrieb geschützt werden. Wir umgehen damit, außer beim Sockel, Beton und Zement als große Klimakiller.

Doch den größten Impact hat nicht nur die Bauweise, sondern vor allem das Pfandsystem, welches wir vor Ort installiert haben. Dafür haben wir 2019 die gemeinnützige GmbH Project Wings gegründet.

Welches Problem wir lösen:

Ziel von Project Wings ist es ein System zu entwickeln, wie man perfektioniert öffentliche Gebäude aus Plastikmüll  in Entwicklungsländern bauen kann, also überall dort, wo es zu wenig Geld für öffentliche Gebäude gibt und zu viel Plastikmüll vorhanden ist. Eben weil es keine Müllabfuhr oder Recyclingsysteme gibt.

Die Einheimischen haben die Möglichkeit selbst Müll zu sammeln, diesen zu säubern und in Ecobricks zu stopfen. Wir kaufen diese dann für 7.000 Rupiah, umgerechnet ca. 44 Cent, an. So schaffen wir Einnahmequellen und versuchen Alternativen zur Wilderei und zu Palmölplantagen zu schaffen. Das gesamte Recyclingdorf wird von den Locals geführt werden. Aktuell sind wir dabei ein Co-Working fertig zu stellen. Bereits gebaut sind die Tinytoiletten, das Green-Education-Center, das Volunteercamp und die Ecobrick-Wall. Es werden u.a. ein Regenwaldmuseum, eine Culture Kitchen und das nachhaltigste Sportgelände der Welt folgen.

Project Wings: Das weltgrößte Recyclingdorf

Woher wir kamen und was wir anders machen:

Wir kommen alle aus dem Fundraising, haben alle jahrelang namhafte Organisationen in der Fußgängerzone als Fundraiser:innen vertreten. Das macht uns sicher etwas speziell, denn so haben wir bereits von Beginn an etwas anders gedacht. Die tausenden Gespräche haben uns zum Nachdenken angeregt. Was ist der Zivilgesellschaft besonders wichtig, was kritisieren sie an den großen Organisationen. Was erwarten sie von uns als kleine, neue Organisation? Und warum spenden immer weniger Leute, in Persona? So basiert unsere Strategie auf den von uns erarbeiteten 15 größten Spenderproblemen und dazugehörigen Lösungsansätzen, die in der Bachelorarbeit von Marc, einem unserer Geschäftsführer, zusammengefasst wurden. Zudem war für uns klar, dass wir nicht von einem Fördertopf zum nächsten eilen möchten, sondern von Beginn an eine möglichst unabhängige Finanzierung anstreben. Das gelang uns insbesondere durch das face-to-face-Fundraising, als starke Säule. Hier konnten wir gleich mehrere Fliegen mit einmal zu schlagen. Wir gewannen durch viele, persönliche Gespräche schnell an Reichweite und konnten zugleich langfristige Förderer:innen für das Projekt begeistern.

Private Spenden = 100% Wirkung!

Eine unserer Intentionen liegt beispielsweise darin, dass wir unseren Förderern garantieren, dass jede private Spende in das Projekt geht. Und bevor jetzt das große Augenrollen beginnt: uns ist es, nicht nur als Gründer, sondern auch als Vertreter des NGO-Sektors, in puncto Werbe- und Verwaltungskosten für Aufklärungsarbeit zu sorgen. Externen aufzuzeigen, was unrealistische Erwartungshaltungen an eine NGO sind und zu erklären, warum Gemeinkosten nicht verteufelt werden sollten, sondern essenziell für die Entwicklung von einer robusten Infrastruktur und qualifiziertem Personal sind. Doch unser Ansatz ist nicht, immer weniger in diesem Bereich auszugeben (was üblicherweise getan wird), sondern zu überlegen, welchen Stakeholdern was wichtig ist. So haben wir den unterschiedlichen Unterstützern schlicht zugehört. Und so ist es möglich die gesunden Gemeinkosten, die unser wichtigstes Kapital (das Humankapital) finanzieren, zu begleichen, ohne auf die privaten Spenden zurückzugreifen. Wir gaben vor Corona viele Workshops in Unternehmen, haben einen eigenen Onlineshop ins Leben gerufen und geben unsere Erfahrungen aus der Gründung an andere Organisationen weiter. Letzteres ist eher unüblich, für uns aber unser ganz spezieller Beitrag den NGO- Sektor aktiv zu stärken. Zudem geben wir hier auch kleinen Organisationen einen Zugang zum Tool Face-to-Face, der ihnen anders versagt bleiben würde.

Mentoring für NGOs & Fundraiser:innen

Im Mentoring legen wir unsere Finanzierungsquellen offen, zeigen auf, wie wir es geschafft in den letzten zwei Jahren ca. 150 Mal in der Presse Niederschlag gefunden zu haben, wie es gelang Größen, wie Culcha Candela oder René Adler als Schirmherren zu gewinnen und warum wir uns schon jetzt über so viele tolle Auszeichnungen freuen können. Zu unseren Trophäen zählen aktuell die goldene Bild der Frau, der Zukunftspreis der Funke Mediengruppe, der Filippas Engel, der Deutsche Engagementpreis (3. Platz des Publikumspreis), sowie ganz aktuell, als erste deutsche Umweltschutzorganisation, der soziale Menschenrechtspreis der Eberhard-Schultz-Stiftung. Wir sind wahnsinnig stolz darauf, wie sich die Project Wings in den letzten zwei Jahren entwickelt hat und sind unheimlich dankbar für jede einzelne Handreichung und jeden einzelnen Support. Insbesondere aber auch für das grenzgeniale Team, in dem wir arbeiten dürfen.

Gemeinsam stark unterwegs

All das konnten wir nur schaffen, weil es immer wieder tolle Menschen gab, die das Herz am rechten Fleck haben und genauso wie wir an das Projekt geglaubt haben. So dürfen wir uns über ca. 70 Unternehmenskooperationen freuen und ganz aktuell verkünden, dass wir im März unser eigenes Wasser abfüllen werden. Im nachhaltigen Tetra-Pak, das zu 88% aus pflanzenbasierten Rohstoffen besteht und natürlich recycelbar ist, wenn es in der gelben Tonne entsorgt wird. Durch die Kombination aus FSC®-zertifiziertem Karton und Kunststoff auf Zuckerrohrbasis reduzieren sich zudem die Auswirkungen auf das Klima.  Wir möchten Mut machen zum gemeinnützigen Gründen und auch kleine Organisationen ermuntern niemals aufzugeben. Auch, wenn der Weg manchmal steinig scheint.

Weitere Links & Infos:

  • Projects Wings: Wir bauen ein Dorf aus Plastikmüll (Webseite)
  • Wings Life: nachhaltige Alltagshelfer (Shop)
  • Wings Experience: Mentoring für NGOs & Fundraiser:innen (Webseite)
  • Gastautorin: Nadine Sachse (LinkedIn | Reflecta)

Meine Gedanken zu Nadine’s Beitrag

Das Besondere an Projects Wings, einer NGO, ist es, dass es ihnen 1. innerhalb kürzesteter Zeit gelungen ist rentabel zu wirtschaften, vor allem aber 2. ein hybrides Finanzierungs- & Businessmodell aufzubauen.

Dadurch wird ermöglicht, dass 100% der Privatspenden im Projekt landen. Alle operativen Kosten (Personal, Marketing, etc.) werden durch die Einnahmen von Wings Experience (NGO Mentoring) und andere Unternehmenskooperationen gedeckt.

Viele Social Enterprises stehen auf Basis von hybriden Finanzierungs- & Businessmodellen. So ausgeprägt und erfolgreich habe ich es bisher aber noch nicht gesehen – Chapeau!

Mehr zu Begriffen wie Social Business, Verantwortungseigentum & Co. findest du in unserem Purpose Glossar.

Project Wings: Transparenz - Wohin gehen die Spenden?
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