Vom Dienstleister zum Social Business?!

“Purpose ist kein Luxus, sondern Verantwortung!”

Der Urspungstext entstand im Dezemer 2021. Bis zur Veröfftlichung im März 2022 ist aber vieles passiert, dass auch einiges nochmal auf den Kopf stellte. Davon handelt der vierte Abschnitt – Frühjahr ’22: Alles wieder auf Sart. Nun aber erstmal von Beginnn an …

Beyond Profit: Was kommt nach dem Profit?

Bevor ich starte, ein paar Worte zum Ziel. Social Entrepreneurship und somit ein Social Business (gesellschaftliches Unternehmen) kann wie folgt definiert werden:

  • Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen im sozialen oder auch ökologischen Bereich
  • Unternehmerische Mittel werden mit dem Ziel verwendet, die gesellschaftliche Wirkung zu erhöhen
  • Steuernde und kontrollierende Mechanismen um dauerhaft die gesellschaftlichen Ziele zu wahren (Gewinnverteilung, Verankerung der Wirkungsziele, Rechtsform, etc.)

Exkurs: SDGs die 17 UN Ziele für nachhaltige Entwicklung

Was ist nun eine relevante und vor allem wichtige gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit?

Beyond Profit: Wofür wollen wir zukünftig wirtschaften?

Jeder Mensch, Organisation und Unternehmen hat einen Purpose: einen Sinn und einen Zweck, der verfolgt wird (manchmal auch unbewusst). Ein Großteil der Firmen im westlichen Wirtschaftsraum folgt dem “Idealbild” nach Profitmaximierung und dauerhaften Wachstum. Davon profitieren i.d.R. nur wenige (hierarchische Organisationsform). Natur & Mensch werden zu Ressourcen degradiert.

  • mit dem Fokus auf die Lösung der 17 SDGs,
  • Gewinnstreben ausschließlich für die beabsichtigte Wirkung und nicht zu Gunsten von Einzelpersonen,
  • geteilte(s) Verantwortung & Eigentum,
  • Ehrlichkeit & Transparenz
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Status Quo: die Transformationsidee

“Ist das ein Social-Business oder kann das weg?”

Da vom wollen alleine noch nichts in Bewegung kommt, geht es nun darum aus einem anfänglichen Impuls nicht nur eine Idee zu pflanzen, sondern wie aus diesem Keimling auch etwas erwachsen kann. Letztlich mit der Antwort: Kann eine Dienstleistung zu einem Social Business transferiert werden?

Wie mit so wenig Umsatz Impact (= gesellschaftliche Wirkung) erzielt werden kann und ob wir uns mit diesem niedrigen Volumen doch eher zur Social-Business-Clown machen, dazu später mehr.

Status Quo #1: die Firma

Unsere GbR bietet seit 2016 Dienstleistungen zur Persönlichkeits- & Organisationsentwicklung an und wurde bis 2021 nebenberuflich ausgeübt.

Seit je her treibt uns, vor allem aber mich, an: einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen und mit der eigenen Berufstätigkeit zu einem gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr sinnstiftendem wirtschaften beizutragen. Hierfür empfinde ich ein Social Business als das “richtige” Vehikel.

Wieso ich kein neues Social Business gründe?

Ein eigenes neues Social-Business bzw. Start-Up aufzubauen wäre überaus verlockend für mich und ich hätte auch konkrete Ideen (v.a. in Richtung regenerative Landwirtschaft). Allerdings spuken dazu folgende Fragen in meinem Kopf:

  • Wo komme ich (beruflich, kompetenzmäßig) her?
  • Was kann ich bereits jetzt besonders gut und mache ich gerne?
  • Was ist mir zeitlich (Familie, 2 kleine Kinder) möglich?
  • Welche finanziellen Ressourcen stehen mir zu Verfügung? Bzw. anders gefragt: Was brauchen wir als Familie für ein “gutes” Leben als Einkommen und wer von uns erwirtschaftet das wie?
  • Zu welchen Netzwerken, Szenen, Kooperationspartner habe ich Zugang?

Letztlich fiel die Entscheidung innerhalb der nächsten Jahre kein Start-Up zu gründen.

Status Quo #2: vom Impuls zur Idee (Hochgefühl & Zweifel)

Neben der bereits langjährigen Vertiefung in sinnstiftendes Arbeiten und Wirtschaften kam der Stein ab Juli ’21 so richtig ins Rollen. Unter anderem maßgeblich war das Eintauchen in die Social-Busines Szene über die Mitgliedschaft bei SEND. Es ist überaus inspirierend zu sehen und mitzuerleben wie viele sinnstiftende Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen (SDGs) bereits vorhanden sind und tagtäglich neu entstehen.

Nach und nach reifte in mir die Idee aus unserer bestehenden GbR ein Social Business zu entwerfen. Bloß was für einen Impact können wir mit unseren paar Kröten überhaupt erreichen? Und ich frag mich wirklich, ob ich mich hier nicht gerade zum Clown mache, der meint mit “nichts” die Welt zu verändern.

Was ist möglich, wenn nur sehr wenig da ist?

Neben dem “Preis der Lächerlichkeit” waren, und sind teilweise noch, viele Zweifel in mir. Dennoch bin ich von je her trotzig genug um mit dem Motto “Na dann erst recht!” weiter nach Lösungen zu suchen. Und ja ich will noch viel viel mehr erreichen als mir aktuell möglich ist, kein Frage. Nur lieber gehe ich kleine tippel-Schritte in die richtige Richtung als jahrelang träumend im Schaukelstuhl auf der Veranda zu sitzen und auf meinen “großen Moment zur richtigen Zeit” zu warten.

Also, was soll es werden? — 4 entscheidenden Fragen:

  1. Was ist (gem. den SDGs) aus meiner Perspektive die dringendste Herausforderung welche es zu lösen gilt?
  2. Für welches SDG kann ich mich am meisten begeistern?
  3. Womit können wir, bei zeitlich wie finanziell begrenzten und zudem geringen Mitteln, Impact generieren?
  4. Welches Social-Business kann uns als Vorbild Orientierung geben?

4 Fragen — 4 Antworten:

  1. Die Natur braucht uns nicht. Wir aber ein intakte Natur. Und zwar für alle Menschen in gleichberechtigter Art & Weise auf der ganzen Welt! Ergo sehe ich den Klimawandel als größten Herausforderung die es zu gestalten gilt.
  2. SDG 8: menschenwürdiges Arbeiten und wirtschaftliches Wachstum — zumindest was meine Berufstätigkeit angeht purposeflow. Bezogen auf die 1. Antwort — SDG 13 & 15: Maßnahmen zum Klimaschutz / Leben an Land
  3. Unser Wirkungskreis reicht aktuell noch nicht aus um das SDG 8 maßgeblich mit Impact aufzuladen, auch wenn das schmerzt das so zu schreiben. Wir wäre es also mit dem 15. SDG?
  4. Ecosia (“Suche im Web und pflanze Bäume.”)

Status Quo #3 — die Social-Business Idee

Was Ecosia macht können wir doch auch tun! Oder?
Aber so etwas von!

Kleiner Rückschritt zur Definition & Kriterien eines Social-Business:

  • Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen auf Basis der 17 SDGs
  • Unternehmerische Mittel werden ausschließlich für diesen Zweck eingesetzt
  • (rechtliche) Strukturen verankern die Wirkungsziele und unterbinden Zweckentfremdung

Alle drei Punkte sind unsererseits in Kürze umsetzbar. Was es nun braucht ist nicht nur eine Idee, sondern ein konkreter Entwurf wie wir das bewerktstelligen.

Sei mit dabei, beim nächsten Purpose Meetup!

Mit dem Purpose Meetup bringen wir Menschen aus allen Ecken zusammen. Uns eint der Wunsch nach Austausch, Inspiration und Verbundenheit - sei mit dabei!

Donnerstag, 12. Mai 2022 von 16:00 bis 18:00 Uhr (online)

Der Social Business Entwurf

“Dekonstruktion ohne Rekonstruktion ist Verantwortungslosigkeit!”

Lass mich daher im Sinne von Hilary Putman einen Entwurf skizzieren wie es auch mit wenigen Mitteln gelingen kann die größte gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit , den Klimawandel,  zu gestalten.

#1 — die Grundskizze

Wie Impact generieren und mit welchen Fokus? Kurz zur Erinnerung:

  • SDG 15 (Leben an Land) als fokussiertes SDG
  • Ecosia (“Suche im Web und pflanze Bäume”) als Vorbild & Orientierung
  • Mit Überschuss aus Persönlichkeits-/Organisationsentwicklung, Training und Coaching Bäume pflanzen und somit den Klimawandel gestalten.

Wie macht’s Ecosia?

Dank ihrer transparenten Finanzberichterstattung kann jeder einsehen, dass im Septemer ’21 mit 42% der Einnahmen (80% der Übschüsse) Bäume gepflanzt wurden. Aus dem Finanzbericht und der Tatsache das Ecosia in Verantwortungseigentum ist, wird ersichtlich das alle Überschüsse innerhalb der Organistion verbleiben und zum allergrößtenteil für den gesellschaftlichen Zweck (SDG 15: Leben an Land = Bäume pflanzen) verwendet werden.

Können wir das auch so machen?

Kurze Antwort: Ja.

Was wäre bei uns anders:

  • Wir sind eine GbR und keine GmbH in Verantwortungseigentum. Daher können wir unseren GbR-Vertrag zwar entsprechend abändern, allerdings ist eine Verankerung des gesellschaftlichen Zwecks nicht in dem Maße möglich wie durch die Sperr-Minorität von Purpose (mehr dazu hier).
  • Weitere Besonderheit einer GbR ist, dass wir nicht angestellt sind, sondern selbstständige Beteiligte und sich daher unsere Gehälter formal aus den Gewinnen generieren müssen. Um die Personalkosten “hinein zu rechnen” ziehen wir diese von den Gewinnen ab, bevor wir mit den bereinigten Überschüsse dem Unternehmensziel (SDG 15: Leben an Land= Bäume pflanzen) dienen können.

Unter Berücksichtigung o.g. Besonderheit könnten unsere Zahlen aus 2021 für die Verwendung der Überschüsse wie folgt aussehen:

  • ca. 43 % Rücklagen (10% der Einnahmen) — die Pandemie ging 2020 und 2021 ging auch an uns nicht spurlos vorbei und frühere Rücklagen wurde nicht nur aufgebraucht, sondern wir mussten umfangreich nachlegen um den Betrieb aufrechtzuhalten. Zukünftig werden die Rücklagen auf max. 10% unserer Einnahmen gedeckelt.
  • ca. 57 % Bäume (13% der Einnahmen) — mit diesen überwiegenden Anteil der Verwendung unserer Überschüsse ist für mich klar, dass wir bereits jetzt das wichtigste Kriterium eines Social-Business (Unternehmerische Mittel werden ausschließlich für diesen Zweck eingesetzt) erfüllen können.

#2 — die Bäume

Via Plant-for-the-planet haben wir das Pflanzprojekt: Eden Reforestation Projects ausfindig gemacht, mit denen wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen können. Ab einem Betrag von 0,10 € pro Baum können wir mit unseren Überschüssen auf Basis des SDG 15 Impact generieren.

Unser Dienstleistungen = Bäume pflanzen

In erster Linie stellen wir das dadurch sicher, indem wir uns dazu verpflichten den Großteil unserer Überschüsse hierfür zu verwenden, keine Gewinnentnahmen für uns persönlichen zu tätigen und nur gesellschaftlich übliche Entlohnung beanspruchen.

Wirkung planen und messen: wirkungsorientiert wirtschaften

Bis hierhin waren die ersten Schritte schnell erdacht. Um feststellen zu können, ob unsere Tätigkeiten wirklich den beabsichtigten Impact generiert braucht es eine Planungs- & Datengrundlage, welche letztlich quantitative und qualitative Messungen & Aussagen ermöglicht. Mit den kostenfreien Angeboten von Phineo, dem SKala-Campus und SEND werden wir uns auf den Weg machen auch diese Fragen zukünftig detailliert beantworten zu können.

#3 — Und nun …

geht es (fast schon) an die Umsetzung. Davor wollen wir befreundete WeggefährtInnen, BranchenkennerInnen und auch dir genau diese Idee und unseren Entwurf vorstellen, Kritik hören, konstruktives Feedback verarbeiten sowie unser Konzept weiterentwickeln. Sicher ist bereits jetzt:

Es ist gut & sicher genug um es zu tun!

Zumindest war dies im Dezember ’21 der Stand. Was dann Geschah, dazu nun mehr …

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Frühjahr ’22: Alles wieder auf Start

Schon als ich im Dezemer ’21 aufschreib „Wieso ich kein eigenes Social Business gründe?“ klang das zwar logisch aber auch nach (negativen) Glaubenssätzen: zu wenig Wissen, Geld & Zeit.

Stimmt zwar in Teilen, gleichzeitig sind es aber auch ausreden. Die Idee etwas in Richtung  regeneratives Landwirtschaften zu machen schwellte also weiter. Und wie es so im Frühjahr ist, der Schnee zieht sich zurück, plötzlich zeigt sich etwas Neues und zaghaft erblühen Gelegenheiten.

Zudem wollte ich mich nicht damit zufrieden geben, dass es mir nicht möglich sein sollte kein Social Business zu gründen. Ich liebe zwar meine Tätigkeit bei purposeflow, gleichzeitig will ich mehr: tun, anwenden, lösen, bewirken!

Ackerblüte: gemeinsam. lokal. sozial

Worum es geht?

Via biointensiver & regenerativer Mirkolandwirtschaft (500 m2 – 10.000 m2) werden über Direktvermarktung Gemüse-Abokiste an Verbraucher:innen verkauft. Jede 6. Kiste wird an Benachteiligte gespendet (wenn möglich durch externe Spenden mehr). Zusätzlich ist Umweltbildung- & -schutz der elementarer Unternehmenszweck.

So lautet die Grundidee. Wie wir (meine Frau Krissi & ich) das im Detail bei uns vor Ort in Marktoberdorf (Allgäu) umsetzen können, daran feilen wir derzeit intensiv und mit Hochdruck. Was in dieser spannenden Ideen- & Orientierungsphase passieren wird, davon erfährst du am ehesten in unserem Newsletter „Updates von purposeflow“.

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Unsere Intention ist es, sinnstiftenden Unternehmende und Interessierte zu inspirieren und miteinander zu verbinden. Wir melden uns, wenn es etwas Neues oder Besonders gibt.

Solo-Impact: Ist das möglich?

Eine Frage blieb, nun nach der Wendung hin zu Ackerblüte, offen: Ist Solo-Impact möglich?

Ja. Eva Helmeth von MON COURAGE zeigt mit ihrem Körperpflege-Stick wie es alleine, smart und sozialem Impact funktionieren kann. Besonders deutlich wurde dies bei Ihrer Unterstützung für aus der Ukraine geflüchtete Menschen. Sie spendete ihren gesamten Lagerbestand. Damit ihr junges Social Business weiterlaufen kann, unterstütze gerne ihr Crowdfunding bei Startnext.

Weitere Links & Infos:

  • Buchtipps:
    • ÖKÖnomie: So retten führende Unternehmensaktivist*innen unsere Zukunft: Erfolgsstrategien aus der Praxis von Jule & Lukas Bosch (Buch 7)
    • Unfuck the Economy: Eine neue Wirtschaft und ein besseres Leben für alle (Buch7)
    • Purpose Driven Organizations (Buch7)
  • Podcast: Treffpunkt Zukunft #48 mit Jule & Lukas Bosch
  • Video: Forum Antropozän — Keynote von Jule Bosch zum 1,5° Ziel
  • Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. (SEND)
  • reflecta.network — Das Online-Netzwerk für Zukunfts­gestalter:innen

Diese Aufzählung verdeutlich sehr konkret meine Vorstellungen von Social Business, Purpose und dien(t)en mir als Inspirationsquelle. Viele weitere Impulse findest du in unserem Purpose Glossar & Mediathek.

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OE mit Sinn - Martin Reinhardt
Martin Reinhardt

10 Jahren war ich im HR-Bereich (Personalreferent & Teamleiter), als Schnittstelle zwischen Personalverwaltung und -führung an der Personalentwicklung beteiligt. Dabei ist mir bewusst geworden, wie viel Potenzial in jedem Einzelnen steckt – manchmal auch ungenutzt, nicht wertgeschätzt oder verkannt.

Mein Purpose: Co-Evolution - ich möchte dazu beitragen unsere Wirtschaft und unser Leben nachhaltig, vielfältig & sinnstiftend zu gestalten – für eine enkeltaugliche Zukunft!

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